Die Originale zur Vereinschronik
Das Vereinsarchiv
Vom handschriftlichen Gründungsprotokoll 1905 bis zum Zeitungsbericht von 1993: Hier liegen alle 12 erhaltenen Originaldokumente aus 120 Jahren Vereinsgeschichte — jedes groß zoombar, jedes mit seiner Geschichte. Die Chronik erzählt, das Archiv bewahrt.
1906
Das Gründungsprotokoll
Das handschriftliche Protokoll der Gründungsversammlung in der Gaststätte Jos. Berssenbrügge, datiert „Lindern, 24. Mai 1906“ — Christi Himmelfahrt. Gewählt wurden Anton Dröge (Erster Vorsitzender), Heinrich Schewe (Schriftführer) und Anton Framme (Kassenführer). Die Vereinsüberlieferung nennt als Gründungsjahr 1905; das Protokoll selbst spricht von der „definitiven“ Gründung — der eigentliche Zusammenschluss dürfte demnach bereits 1905 erfolgt sein. Das älteste Dokument des Vereins.
Was hier geschrieben steht
Scrolle durch die Abschrift — im Ausschnitt darüber wandert die Originalzeile mit. Tippe eine Stelle an, um sie anzusteuern.
Anmerkung zur Lesart: Die Jahreszahl beider Datumszeilen liest sich im Original als 1906 — der 24. Mai 1906 war Christi Himmelfahrt, der 27. Mai 1906 ein Sonntag; zu den genannten Nachmittagsstunden passt das gut. Die Vereinsüberlieferung nennt als Gründungsjahr 1905. Beides lässt sich vereinbaren: Das Protokoll spricht ausdrücklich von der „definitiven“ Gründung — der eigentliche Zusammenschluss dürfte demnach bereits 1905 erfolgt sein.
1910
Das Kassenbuch von 1910
Der älteste erhaltene Kassenabschluss des Vereins, handgeschrieben mit Feder und Tinte. Die Einnahmenseite verrät, wie das junge Schützenfest aussah: Tanzkarten, Standgeld für Bäcker, Karussell und Schießbude. Auf der Ausgabenseite stehen 180 Mark für die Musikkapelle — und 50 Mark für „Sr. Majestät d. König“.
Was hier geschrieben steht
Scrolle durch die Abschrift — im Ausschnitt darüber wandert die Originalzeile mit. Tippe eine Stelle an, um sie anzusteuern.
1922
Die Rechnung für die Kinderbelustigung
541 Mark für „diverse Artikel für Kinderbelustigung“ — ausgestellt vom Linderner Geschäft J. H. Dröge, Manufaktur-, Kurz- und Kolonialwaren, Fernsprecher No. 2. Als Preise erhielten die Kinder damals Griffel, Halsketten, Kreisel, Flöten, Mundharmonikas und Taschenmesser.
Was hier geschrieben steht
Scrolle durch die Abschrift — im Ausschnitt darüber wandert die Originalzeile mit. Tippe eine Stelle an, um sie anzusteuern.
1923
Die Fahnenbestellung — zahlbar in Lebensmitteln
„Zahlbar: in Lebensmitteln. Lieferbar: März 1923.“
Mitten in der Hyperinflation bestellte der Verein bei der Hildesheimer Fahnenfabrik A. Dreyer eine seidene Vereinsfahne: Vorderseite grüne Seide mit Oldenburger Wappen, Rückseite rot mit Schützenscheibe. Das bemerkenswerteste Detail steht unten im Formular — Zahlbar: „in Lebensmitteln“. Geld war im Februar 1923 nichts mehr wert.
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1923
Der Millionen-Kassenabschluss
Die Inflation im Vereinsbuch: 231 Mitglieder zahlten je 500 Mark Beitrag, die Jahresrechnung schließt mit über einer Million Mark — 1.027.752,41, säuberlich von Hand summiert. Geprüft und „für richtig befunden“ von Jos. Berssenbrügge und Heinr. Lübbers.
Was hier geschrieben steht
Scrolle durch die Abschrift — im Ausschnitt darüber wandert die Originalzeile mit. Tippe eine Stelle an, um sie anzusteuern.
Zwei Kassenbücher, dreizehn Jahre
Das Schützenfest für eine Million Mark
1910 schließt die Vereinskasse mit 820 Mark und 96 Pfennig. 1923 stehen unter dem Strich über eine Million Mark — säuberlich von Hand summiert. Reicher war der Verein davon nicht. Im Gegenteil: Zwischen den beiden Abschlüssen liegt der Untergang einer Währung.
Und trotzdem: Real — in Vorkriegs-Goldmark gerechnet — war die Millionenkasse vom Schützenfest 1923 nur noch rund 90 Goldmark wert. Etwa ein Neuntel der Kasse von 1910.
Der Verein wusste sich zu helfen: Die neue Fahne wurde im Februar 1923 „zahlbar in Lebensmitteln“ bestellt, und der Kassenbestand von 210.595 Mark war laut Abschluss bereits „zur Fahne bezahlt“ — Sachwerte statt Papiergeld.
Zur Berechnung: Nominalbeträge wörtlich aus den Kassenbüchern von 1910 und 1923. Kaufkraft über die Monatsmittel des Dollarkurses in Berlin 1923 (Statistisches Reichsamt) und die Vorkriegsparität von 4,20 Mark je Dollar in Goldmark umgerechnet, gerundet — Näherungswerte.
1924
Die Tanzerlaubnis vom Amt
„… unter der Bedingung, daß Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahre der Zutritt zur Tanzerei verwehrt bleibt.“
Tanzen war genehmigungspflichtig: Das Amt Cloppenburg erlaubte dem Schützenverein am 6. Juni 1924 eine „Tanzgesellschaft“ für den 9. und 10. Juni — bis zwei Uhr und unter der Bedingung, dass Jugendliche unter 18 Jahren der Zutritt „zur Tanzerei“ verwehrt bleibt. Darunter rechnet das Amt die Vergnügungssteuer ab: 169 Mark.
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1924
Das Protokoll von August Fasel
Protokoll der Schützenversammlung aus dem Jahre 1924, verfasst vom Schriftführer August Fasel — in der akkuraten Handschrift eines Mannes, der das Amt von 1922 bis 1928 führte. Eines der wenigen erhaltenen Versammlungsprotokolle der Zwischenkriegszeit.
Was hier geschrieben steht
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1932
Der Gutschein zum Platzkauf
1932 kaufte der Verein den Schützenplatz für 1.200 Reichsmark — finanziert über zinslose Gutscheine zu zehn und zwanzig Reichsmark, die in Lindern ausgegeben und Jahr für Jahr aus dem Überschuss des Schützenfestes zurückgezahlt wurden. Das ganze Dorf hat den Platz mitbezahlt.
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1959
„Nach 50 Jahren wieder auf dem Thron“
„Im Jahre 1909 bestieg SM König Johann Janzen zum ersten Male den Thron, den er nun im Jahre 1959 nochmals in Besitz nehmen konnte.“
Die Münsterländische Tageszeitung über eine Sensation: Johann Janzen, Schützenkönig von 1909, holte sich 1959 — fünfzig Jahre später — die Königswürde erneut. Sein Sohn Bernd hatte die Würde wenige Jahre zuvor ebenfalls getragen. Der Artikel belegt damit eine der erstaunlichsten Lebenslinien des Vereins.
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1964
„Es war wieder ein prächtiges Schützenfest“
König Heinrich Grotjann aus Osterlindern mit Gemahlin Maria, „endlose Wagenreihe in allerbester Stimmung“, Wecken um 6 Uhr durch Böllerschüsse und Frühschoppen „bei Onkel Heini“ bis zur Mittagsstunde — ein Zeitungsbericht, der das Schützenfest der Sechziger lebendig macht.
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1977
Der Adler, der seine Holzfedern lassen muss
„Der 1. Vorsitzende Josef Gardewin stellt sich mit dem Königsadler vor, der am kommenden Samstag die Holzfedern lassen muß.“
Der 1. Vorsitzende Josef Gardewin präsentiert der Presse den neuen Königsadler — „der am kommenden Samstag die Holzfedern lassen muß“. Der Artikel beschreibt das Ritual, wie es bis heute gilt: Königsschießen mit der Armbrust, Kinderkönigsschießen auf dem Luftgewehrstand, danach Tanz im Festzelt.
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1993
Antreten auf dem neuen Marktplatz
Die Schützen auf dem neugestalteten Linderner Marktplatz — Proklamation, Beförderungen, Ehrungen. Die Bildunterschrift dokumentiert auch die Folge des schweren Unfalls von Varbrügge im selben Jahr: „Nach dem schweren Verkehrsunfall wurden alle Traktoren mit normalen Anhängern vom Platz verbannt.“
Was damals geschah: Chronik der 1990er Jahre →Die Originale wurden über Jahrzehnte von Wilhelm Kock gesammelt und für die Chronik zum 100-jährigen Bestehen (1905–2005) zusammengetragen. Wo ein Dokument in die Vereinsgeschichte gehört, zeigt die Vereinschronik — dort verweisen die Einträge zurück hierher ins Archiv.




